Projektblog Dorfgemeinschaftshaus

Nutzungskonzept für die alte Schule in Reundorf erarbeitet von der BLR

1 Analyse

Die Gemeinde erwarb das sanierungsbedürftige Gebäude im Februar 2025. Das Gebäude erstreckt sich über zwei Etagen und einem Hinterhof.
Die oberen Räumlichkeiten wurden zuletzt vermietet. Im Erdgeschoss befinden sich neben Sanitärräumlichkeiten auch eine Küche und ein größerer Raum, welcher über den Hinterhof betreten werden kann. Das Gebäude ist teilunterkellert.
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde ein Architekturbüro beauftragt, welches die Bausubstanz der Immobilie beurteilen sollte. Ein Abriss ist aus Sicht des Sachverständigen nicht notwendig, da keine Einsturzgefahr bestehe und eine umfassende Sanierung erfolgen könne. So erarbeitete das Architekturbüro nach einer Begehung einen Vorschlag, welcher eine modernisierte Version der Immobilie darlegt.
Im Rahmen der Bürgerversammlung wurde die Machbarkeitsstudie der Bevölkerung präsentiert und beschrieben. Ein Modell welches die Umbauarbeiten veranschaulicht, wurde zusätzlich gefertigt.
Die Kommune übergab der Bürgerliste Reundorf (BLR) den Auftrag ein Nutzungskonzept anzufertigen um dieses als Grundlage für die Realisierung der anstehenden Sanierungsmaßnahmen zu nutzen.
Auf Einladung der BLR trafen sich am 15. Mai 2025 vierzig Personen in den Räumlichkeiten. Neben anderen Themen wurde im Rahmen eines Workshops der Bedarf des zweitgrößten Gemeindeteils für ein Dorfgemeinschaftshaus ermittelt.
Die Ergebnisse können als repräsentativ angesehen werden. Die Teilnehmer stellten einen Querschnitt der Bevölkerung. Alle Geschlechter und Altersgruppen waren vertreten. Neben Privatleuten waren auch Vertreter der Ortsvereine (z.B. SV Reundorf oder Theatergruppe) anwesend.
Auf einem Flipchart wurden alle Nennungen gesammelt und im Nachgang diskutiert. Die Nennungen wurden für eine bessere Erfassung in folgende Oberpunkte gegliedert:

Gesellschaft
Einmalige oder wiederkehrende Ereignisse, welche sich nicht speziell auf eine Gruppierung oder einen Verein als Veranstalter beziehen lassen. Beispielsweise ist hier der alljährliche Weihnachtsmarkt zu nennen. In den Oberpunkt flossen auch Ideen der Bevölkerung ein, welche derzeit noch nicht in den Veranstaltungen des Dorfes vorkommen, wie z.B. Back- oder Kochkurse.
Verein
Hier ist der Sportverein Reundorf als Mehrspartenverein zu nennen, welche deren sportliche Aktivitäten teils ganzjährig in geschlossenen Räumlichkeiten durchführen. Ebenso bereichern der Soldaten- und Kriegerverein und der Brüderverein das kulturelle Leben.
Kirche
In unmittelbarer Nähe befindet sich die Reundorfer Kirche „St. Otto“. In den Räumlichkeiten fanden Angebote wie z.B. der Unterricht der Kommunionkinder statt.

Privat
Unter diesem Punkt wurden die Belange der Privatpersonen gesammelt, welche sich seit geraumer Zeit einen offenen Raum für Familienfeiern wünschen.

2. Übersicht

Anforderung an Gebäudeausstattung
Erläuterung

Im weiteren Verlauf des Workshops wurden die Teilnehmer gebeten sich am ermittelnden Bedarf zu orientieren und Anforderungen an die technische und bauliche Ausstattung des Gebäudes zu nennen.
Ziel war es das Equipment und die Raumausstattung möglichst den Bedürfnissen der Oberpunkte 1- 4 anzupassen.
Den Teilnehmern wurde vor Augen geführt, dass nicht alle Wunschpunkte später realisiert werden können.
Folgende Vorschläge wurden gesammelt. Diese werden ohne Priorität aufgelistet:

Dartscheibe
Mobile Theke für den oberen Raum
Aufzug von Küche nach oben
Elektrische Leinwand für einen Beamer
Boxen in der Decke für gleichmäßige Beschallungsmöglichkeit
Unten eine Theke mit Spülmöglichkeiten und einer Zapfanlage
Im OG Bewirtungsausstattung Theke/Küchenzeile
Grundausstattung an Geschirr
Kleinkunstbühne für Künstler/Kabarettisten/Vortragende/Künstler
Eine Ebene
Beamer und Leinwand
Akustikdecke
Tanzboden
Aufzug außen
Küche mit Aufenthaltsraum
Geschirr auch im 1. Stock
Küchenausstattung
Industriespülmaschine
Barrierefrei
Küche im 2. Stock
Turn- bzw. Gymnastikboden
Kühlraum
Möglichkeit einer Bewirtschaftung
Abstellraum
Fernseher
Stühle und Tische
Boden für Gymnastik

Küche im Obergeschoss
Kühlraum
Kühlschrank
Stehtische, Beamer und Leinwand
Kühlschrank, Spüle und Spülmaschine, Ausschank unten
Kühlschrank oben und Servierwagen
Digitale Dorfinformationstafel

Schlussfolgerung:
Die aufgelisteten Punkte zeigen klar den Bedarf der Dorfbevölkerung an einem multifunktionalen Dorfgemeinschaftshaus. Dieser ist von Vereins- und privater Seite gleichermaßen gegeben.
Eine Erkenntnis ist die Notwendigkeit beide Geschosse unabhängig voneinander betreten und betreiben zu können. Die bauliche Eigenschaft wird vor allem wichtig, wenn es in der kalten Jahreszeit zu einer verstärkten Nutzung kommen kann.
Der Sportverein kann seine Abteilungen wie Kindertanzen und Gymnastik in die Räumlichkeiten verlagern und somit zu einer Entlastung der Frensdorfer Schulturnhalle beitragen.
Für das Dorftreiben ist das Haus aus gesellschaftlicher Sicht von zukünftiger zentraler Bedeutung, da das Sportheim derzeit nicht mehr regelmäßig bewirtschaftet werden kann und die Gastwirtschaft „Dotterweich“ nur in warmen Monaten einen Biergartenbetrieb anbietet.
Grundsätzlich befürworten die Bürgerliste Reundorf und die Dorfgemeinschaft den Architektenvorschlag, da dieser bereits viele Anforderungen einer barrierefreien Immobilie erfüllt. Anpassungsbedarf besteht in der Ausgestaltung und somit der zukünftigen Bestimmung der einzelnen Geschosse.
Unsere Gesellschaft wird immer digitaler. Deswegen setzen wir einen Internetanschluss in Form einer DSL-Leitung und W-LAN im Gebäude als technische Grundausstattung voraus

    3. Das Gemeinschaftshaus als Leuchtturm
    Der Europäische Kontinent spürt immer stärker die Auswirkungen des Klimawandels. Folgen sind zunehmende Trockenphasen und Starkwetterereignisse wie Gewitterstürme in Verbindung mit Hagel. Die Länder der Erde bemühen sich stetig um einen Konsens, damit der Ausstoß des klimaschädlichen CO-2-Gases eingedämmt wird. Ob es gelingen kann die Erderwärmung zu bremsen, ist fraglicher denn je.
    Neben klimatischen Faktoren ist unsere lebensnotwendige Infrastruktur mit zunehmenden Angriffen von feindlich gesinnten Ländern oder Gruppen wie Hackern konfrontiert. Zuletzt brach am 28. April 2025 flächendeckend das Stromnetz der iberischen Halbinsel für mehrere Stunden zusammen. Somit mussten 55 Millionen Spanier und Portugiesen auch ohne Internet und Telefon auskommen.
    Auch Reundorf war in den vergangenen Jahren immer wieder von Starkwetterereignissen und kleineren Stromausfällen betroffen.
    Wir möchten der Gemeinde empfehlen, sich vorsorglich für die angesprochenen Notlagen zu wappnen und das Dorfgemeinschaftshaus als Leuchtturm für die Orte Reundorf und Rattelshof auszuweisen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Freiwillige Feuerwehr und die Kammeraden leisten in deren Freizeit Großartiges für die Bevölkerung. In den angesprochenen Notsituationen wird sich die Wehr praktisch im Dauereinsatz befinden um möglichst vielen Haushalten zu helfen.
    Unsere Idee sieht daher vor, dass Gebäude zusätzlich als zentrale Anlaufstelle für Krisensituationen auszurüsten. Hierfür schlagen wir die Anschaffung eines Notstromaggregates und einer PV-Anlage mit Speichermöglichkeit vor. Diese sollen einen jederzeitigen Betrieb des Hauses sicherstellen. Die Reundorfer Bürgerliste wird ein Radio anschaffen und dieses zur Nutzung überlassen. Außerdem kann die Dorfgemeinschaft zu den Behörden Kontakt halten.
    Schlussfolgernd bleibt zu hoffen, dass die gesamte Gemeinde möglichst lange von Katastrophen aller Art verschont wird. Sollte die Glückssträhne einmal reißen, wird die Bevölkerung im Dorfgemeinschaftshaus Schutz finden und kann sich autark über die allgemeine Lage informieren.

    4. Vorschlag für Ausgestaltung der einzelnen Geschosse


    Untergeschoss
    Neben dem Eingangsbereich ist der Aufzug von zentraler Bedeutung. Dieser sorgt für eine barrierefreie Verbindung der Etagen. Wir begrüßen die Erschließung durch eine Rampe und einen separaten Treppenzugang über den Hinterhof.
    Das Untergeschoss muss über einen Bewirtungsbereich verfügen, welcher sich aus einer Kochzeile, leistungsstarker Spülmaschine, großräumiger Kühlmöglichkeit (Kühlzelle) und Schankbereich zusammensetzen sollte. Eine Verbindung zwischen Küche und Obergeschoss wäre wünschenswert, wenn sich dort keine weitere Küchenzeile realisieren ließe.
    Im Erdgeschoss sollte Augenmerk auf einen bestuhlten Gesellschaftsraum gelegt werden. Damit eine multifunktionale Nutzung ermöglicht werden kann, sollten Stühle und Tische hinter einer Zwischenwand verstaut werden können. Somit kann der Raum auch für sportliche Aktivitäten oder als Wahllokal genutzt werden können. Die Bundestagswahl 2025 wurde im Obergeschoss des Feuerwehrhauses abgehalten und erschwerte gerade älteren Bürgern den Zugang über ein Treppenhaus. Die Installation eines großen Monitors wäre wünschenswert.
    Obergeschoss
    Das Obergeschoss sollte über den größten Raum verfügen. Dieser kann für gesellschaftliche Events wie Vorträge oder größere bestuhlte Veranstaltungen genutzt werden. Aufgrund der Raumgröße ist eine gute Akustik von zentraler Bedeutung. Wir empfehlen den Einbau einer Akustikdecke und dezentralen Lautsprechern. Eine Deckenleinwand und Beamer sorgt für eine multifunktionale technische Ausstattung.
    Eine Installation einer festen Bühne ist nicht notwendig, da mobile Varianten angemietet werden können. Weiterhin gibt es derzeit keine musikalischen Veranstaltungen in Reundorf, welche eine dauerhafte Auftrittsmöglichkeit nutzen würden. Die örtliche Theatergruppe meldete in der Versammlung keinen Bedarf an.
    Da der Tanzsport wie Kinderturnen und Zumba sich größerer Beliebtheit erfreut, bedarf es für gelenkschonende Aktivitäten den Einbau eines Tanzbodens.
    Für eine vielfältige Nutzung bedarf es Staumöglichkeiten für Stühle und Tische. Der Einbau einer zusätzlichen Speise- und Schankmöglichkeit wäre in den oberen Räumlichkeiten wünschenswert. Alternativ schlagen wir die Anschaffung einer mobilen Theke vor.
    Hofbereich
    Wie im Architektenvorschlag befürworten wir die Möglichkeit eines überdachten und bestuhlten Freisitzes. Um Vandalismus vorzubeugen, sollten die Sitzmöglichkeiten verstaut werden können. Wir schlagen den Keller des Gemeinschaftshauses als Lagerraum vor. Eine Belebung des Platzes ist von zentraler Bedeutung, da dieser in den vergangenen Jahren brach lag.

    Straßenbereich
    Am Gebäude befinden sich drei veraltete Schaukästen, welche ausgetauscht werden müssen. Neben der Immobilie befindet sich zusätzlich eine Holzkonstruktion für Plakate.
    Wir möchten einen großen digitalen Schaukasten empfehlen, welcher von den Ortsvereinen und der Gemeindeverwaltung bespielt werden können. Hierdurch werden die Informationen zentriert und gebündelt. Die erwähnte Holzkonstruktion und Schaukästen könnten somit eingespart werden.
    Die Hauptstraße ist eine stark befahrene Durchfahrtsstraße, welche von PKWs und Schwerlastverkehr in Zielrichtung Mühle frequentiert wird. Trotz einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf dreißig Stundenkilometer wird der Ort in raschem Tempo durchfahren. Der Ortskern ist ein kurviger Bereich, welcher die Sicht einschränkt.
    Aus diesem Grund bedarf es vor dem Dorfgemeinschaftshaus der Einrichtung eines s.g. „Zebrastreifens“, welcher eine sichere Querung zwischen Dorfgemeinschaftshaus und der Kirchenseite ermöglicht. Viele Kinder passieren den Bereich für den morgendlichen Schulbus.

    Die Reundorfer Kirche St. Otto ist neben der Sauer-Mühle das Wahrzeichen des Ortsteils. Wir schlagen eine energiesparende LED-Beleuchtung der Kirchenfassade vor. Wir begrüßen den Vorschlag des Architekturbüros, welches bewusst die Blickachse der Kirche in den Mittelpunkt der Planung gestellt hatte.

    5. Nutzung

    Wir möchten die Vergabe von festen Zeiten für Ortsvereine wie Sportverein erreichen. Die Buchung sollte über digitale Plattform wie die „Heimatinfo.App“ oder ein Internetportal der Gemeindeverwaltung für Reundorfer ermöglicht werden.
    Um die Bevölkerung anzuhalten, fordern wir bei privaten Feierlichkeiten die Vereinnahmung einer Kaution und Nutzungsgebühr. Da die Bürgerliste Reundorf zurzeit keine eigene Kassenhaltung betreibt, bitten wir die Gemeinde um Verwaltung und Abwicklung der Kaution und Nutzungsgebühr. Eine digitale Zahlungsmöglichkeit für Nutzerinnen und Nutzer sollte gegeben sein.
    Wir schlagen vor, digitale Türöffner in Form von Zugangscodes zu verwenden. Somit werden keine Türschlüssel im Umlauf sein, welche unkontrolliert verteilt oder vervielfältigt werden können.
    Für klare Spielregeln möchte sich die Bürgerliste einsetzen und noch vor Eröffnung eine Hausordnung aufstellen, welche für alle Nutzerinnen und Nutzer gelten wird. Ebenso erklärt sich die BLR bereit, das Gebäude mit zu verwalten und zu betreuen. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit, möchten wir die Gemeinde entlasten und einen neutralen Vermittler aller Gruppen und Strömungen im Ort darstellen.
    Die Nutzung für politische Parteien sollte im Rahmen einer Nutzungsvereinbarung ausgeschlossen sein. Die Bürgerliste Reundorf stellt eine unabhängige Wählervereinigung dar und darf das Haus nutzen.
    Die wöchentliche Reinigung der Örtlichkeit sollte im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung an eine Reinigungskraft vergeben werden. Sicherlich werden diese Kosten erstmal ins Kontor schlagen, allerdings trägt diese Tätigkeit zu einem längeren Erhalt der sanierten Räumlichkeiten bei.
    Privatleute sollten grundsätzlich im Rahmen der Hausordnung verpflichtet sein, die Räumlichkeiten gesäubert zu hinterlassen.

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